Das Corona-Virus – stecken sich auch die Medien an?

Netflix ist das wertvollste Medienunternehmen der Welt, Pamela Reif hat allein im März 560.000 neue Abonnenten dazu gewonnen und der Podcast-Markt boomt mehr denn je. Sind die Medien also die Gewinner der Corona-Krise?

Von Rica Kuttler und Ina Welter

Die Corona-Krise hat viele Unternehmen und Geschäfte hart getroffen. Viele mussten vorübergehend schließen oder Kurzarbeit beantragen. Medien hingegen werden immer gebraucht. Denn auch oder gar besonders in der Krise ist freie und unabhängige Berichterstattung wichtig. Doch wie steht es wirklich um die verschiedenen Medienunternehmen?

Das Paradoxon der Zeitungen

Laut der Arbeitsgemeinschaft Media-Analyse (agma) haben Tageszeitungen in den letzten Wochen ihre Reichweite um 10% erhöht. Trotzdem befinden sich die Zeitungsverlage aktuell in der Krise. Denn trotz der zunehmenden Leserschaft sinken die Einnahmen, während die Fixkosten auf der anderen Seite gleichbleiben. Das liegt daran, dass nur ein Drittel des Geldes der Verlage vom Verkauf kommt. Der Rest der Einnahmen kommt von Werbungen und Veranstaltungen, die im Moment allerdings nicht stattfinden können. Aufgrund der verschlechterten wirtschaftlichen Situation vieler Unternehmen und dem damit einhergehenden Ziel, Geld zu sparen, bricht der Anzeigenmarkt ein – teilweise um bis zu 80 %. Ein weiterer Faktor ist, dass die Werbekunden ihre Anzeigen nicht neben negative Themen wie Corona platzieren möchten. Laut der „Brand Safety“ Studie aus dem Jahr 2018, hat schlecht platzierte Werbung deutlich negative Auswirkungen auf die Wahrnehmung des entsprechenden Unternehmens. Das Thema dominiert allerdings gerade die Berichterstattung.

Außerdem reduzieren viele Tageszeitungen den Umfang ihrer Printausgaben. Das liegt unter anderem auch daran, dass komplette Ressorts reduziert werden oder ganz wegfallen. Davon betroffen war unter anderem der Sportteil am Anfang der Krise, als Sportveranstaltungen wie die Bundesliga nicht möglich waren. Als Konsequenz schicken einige Redaktionen die Journalistinnen und Journalisten in Kurzarbeit. Eine paradoxe Situation, da es aktuell sogar mehr zu berichten gibt, als vor der Krise. Allein im März verschickte die dpa 241 Eilmeldungen, davon ein Drittel über Corona. Das sind fast doppelt so viele wie im März 2019.

Beim Thema Kurzarbeit kommt zusätzlich eine weitere Problematik ins Spiel: Denn obwohl die Journalist*innen vertraglich weniger arbeiten und somit weniger Zeit für ihre Artikel haben, wollen sie natürlich gute Qualität liefern. In der Folge arbeiten sie möglicherweise mehr. Auf lange Sicht gesehen, könnte das zur Folge haben, dass die Verlagshäuser Sparprogramme einführen, mit der Begründung, dass auch mit weniger Arbeitszeit gute Beiträge entstehen können. 

Comeback des Fernsehens 

Auch die TV-Nutzung, besonders im Nachrichtenbereich, hat zugenommen. Im März stieg die Fernsehdauer laut der AGF Videoforschung von 18 auf 244 Minuten. 

Die Corona-Krise zeigt deutlich, dass gerade in Zeiten der Krise, Nachrichtenformate überaus gefragt sind, da das Informationsbedürfnis der Bevölkerung steigt. So verzeichnet beispielsweise die Tagesschau einen Zuschaueranstieg von 10 Millionen Menschen vor der Krise auf 18 Millionen Menschen. Insgesamt ist die Fernsehnutzung laut AGF um 20% gestiegen. Um das große Informationsbedürfnis der Menschen zu stillen, passen die Fernsehsender ihre Programme an. Beispielsweise strahlen die öffentlich-rechtlichen Sender fast täglich Sondersendungen, Extras oder Talkshows über Corona aus. Tanjev Schultz, Journalist und Dozent am Medieninstitut der Uni Mainz, sagt dazu allerdings, es gebe “mittlerweile auch Anzeichen für einen Corona-Überdruss. Die vielen Spezialsendungen erschöpfen sich”. 

Das Internet – der Corona-Sieger?

Besonders beliebt sind natürlich auch Streaming-Dienste wie Netflix oder Disney+. Letzterer gehört wohl auf jeden Fall zu den Gewinnern der Corona-Krise. Das ursprüngliche Ziel des Konzerns war, in vier Jahren 60 Millionen Abonnent*innen zu generieren – aktuell verzeichnet die Plattform bereits über 50 Millionen Kundinnen und Kunden. Die Menschen suchen Beschäftigung in diesen Zeiten und finden Ablenkung bei den großen Streaming-Diensten.

Um sich im Corona-Alltag abzulenken werden viele aber auch sportlich aktiver – vor allem in Bezug auf Home-Workouts. Seit Beginn der Krise sind Suchanfragen, die “Workout von Zuhause” beinhalten, um 400% gestiegen. Besonders erfolgreich auf diesem Gebiet: Pamela Reif. Die 23-Jährige veröffentlicht auf YouTube regelmäßig Videos, in denen sie ihren Followern Sport-Übungen zeigt, die diese dann zuhause nachmachen können. In den letzten vier Wochen verzeichneten ihre Videos rund 48 Millionen Aufrufe, stündlich trainieren bis zu 300.000 Nutzer mit den Home-Workouts von Pamela Reif.

Ein Format, das ebenfalls zu boomen scheint, sind Podcasts. Der Musikanbieter Spotify hat nach dem Beginn der Krise ein neues Genre mit Namen “Covid-19 Leitfaden” eingerichtet. In diesem finden sich allein 15 neue Podcasts nur über das Thema Corona. Inhaltlich decken die Podcasts ein großes Spektrum ab: Auf der einen Seite stehen faktenorientierte Formate, wie das des Virologen Christian Drosten, in dem er jeden zweiten Tag in einer halben Stunde über alle neuen Informationen rund um Covid-19 aufklärt. Ein anderes Beispiel ist der sogenannte Zukunftspodcast der tagesschau. Hier wird sich aktuell viel mit den möglichen Folgen von Corona auf die Globalisierung, den Klimawandel, Mobilität und weitere Bereiche unseres gesellschaftlichen Lebens beschäftigt.

Auf der anderen Seite gibt es aber auch Podcasts, die den Alltag in der Krise emotionaler beschreiben und eher für Ablenkung mit ihrem Inhalt sorgen. 

Podcasts sind aktuell besonders praktisch, da sie sich leicht aus dem Home-Office aufnehmen lassen. Während man bei anderen Formaten momentan sehr kreativ werden muss, ändert sich bei Podcasts nicht unbedingt viel. Generell werden Podcasts immer populärer. Sie sind verhältnismäßig einfach und günstig zu produzieren, erreichen gleichzeitig aber schnell ein großes Publikum. Durch kurze Werbeeinspieler lässt sich damit dann sogar schnell Geld verdienen.

Die Pandemie – Krise und Chance zugleich

Die Corona Krise hat auch die Medienwelt nicht verschont, trifft ihre verschiedenen Zweige aber auf unterschiedliche Art. Für die einzelnen Mediengattungen und ihre Digitalisierung ist die Pandemie sowohl Krise als auch oder wie Tanjev Schultz es ausdrückt: “Es war und ist die Stunde eines qualitätsorientierten Journalismus – und zugleich stürzt die Krise auch den Journalismus ökonomisch in große Schwierigkeiten”. Die komplizierte Situation, in der wir uns befinden, bleibt interessant und es gilt nun zu beobachten, ob und inwiefern die Medien gestärkt oder geschwächt aus der Corona-Krise hervorgehen. 


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