Der unermüdliche Showmaster

„Haribo macht Kinder froh und Erwachsene ebenso“. Dieser Spruch prägte Generationen genauso wie dessen langjähriges Gesicht: Thomas Gottschalk. Doch nicht nur als Werbegesicht hat er sich in unsere Köpfe gebrannt. Radiostimme, modischer Trendsetter, Talkmaster und Gute-Laune-Onkel. Der Lockenschopf macht auch mit mittlerweile 70 Jahren keine Anstalten, sich aus dem Showbusiness zurückzuziehen.

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Man könnte wohl viel Geld darauf verwetten, dass der gesprächsfreudige Bayer noch immer eine der bedeutendsten Persönlichkeiten ist, die die deutsche Medienwelt zu bieten hat. Bleibt die Frage, ob es nur das Zusammenspiel des gewöhnungsbedürftigen, aber in Erinnerung bleibenden Modegeschmacks gepaart mit Humor, Selbstironie und grenzenlos großer Klappe war, die zu diesem Erfolg geführt haben. Oder ob nicht doch viel harte Arbeit hinter dieser Karriere steckt. Ein Blick in das Leben von Thomas Gottschalk gibt in jedem Fall Aufschluss.

Begonnen hat er beim Radio, moderierte zahlreiche Hörformate, bis er irgendwann zum Fernsehen kam. Viele verschiedene Stationen durchlief er im Laufe der Jahre. Vom öffentlichen-rechtlichen Rundfunk ging es zu den Privatsendern und dann im Ping-Pong einige Male wieder zurück. Dem Radio blieb er lange treu und auch in Filmen spielte er mit. Doch die gesamte Biografie des Thomas Gottschalk nieder zu schreiben ist eine scheinbar unmögliche Aufgabe. Deshalb nur ein paar wenige markante Aspekte, die dennoch erahnen lassen, welche Fülle das Leben und die Karriere von Tommy, wie ihn viele nennen, zu bieten hat.

Eine Sendung mit Kultfaktor


Der Publizissimus wagt sich mal ganz weit aus dem Fenster: Top die Wette gilt, dass die allermeisten von euch beim Namen Gottschalk zuallererst an „Wetten dass…?“ denken. Wer erinnert sich nicht an die Samstagabende mit der ganzen Familie vorm Fernsehen, die Eurovision-Melodie tönt aus den Lautsprechern und auf dem Bildschirm flackern die Gesichter der Gäste auf. Während der Moderator Gottschalk vom Publikum beklatscht wird, begutachten wohl nicht wenige dessen Abendgarderobe. Eines seiner großen Markenzeichen, vor allem in der Sendung „Wetten dass…?“, waren die schrillen und unkonventionellen Anzüge, die Sendung für Sendung wechselten. Eine kleine Auswahl: Thomas im blau-schwarz geblümten Sakko mit schwarzer Lederhose, Tommy mit goldenem Sakko oder im komplett rot-schwarz-karierten Anzug vor seinem Publikum.

Doch nicht nur durch sein schrilles Erscheinungsbild fiel er auf, sondern auch durch sein Talent, den internationalen Gästen Geheimnisse zu entlocken, sie zu allerlei albernen Aktionen zu animieren und in gute Gespräche zu verwickeln. Wahrscheinlich ist genau das, das Geheimrezept des Thomas Gottschalk. Er schafft es an die Menschen heran zu kommen und wirkt dabei selbst als Person sehr nahbar. Das liegt in erster Linie daran, dass Thomas Gottschalk sich für sein Publikum für nichts zu schade zu sein scheint. Seine Wetteinsätze löste er immer verlässlich ein. So finden sich im Netz bis heute Videos von ihm im Senftopf oder als Frau verkleidet tanzend mit Jogi Löw. Die Show war eine Unterhaltungsshow und Tommy gelang es jedes Mal aufs Neue, dass sie ihrem Anspruch auch gerecht wurde. Die Gäste, so schien es zumindest, fühlten sich meist sehr wohl auf der großen Couch und plauderten munter los.

Wenn die schillernde Medienwelt zerbricht


Die strahlende „Wetten dass…? – Welt“ wurde traurigerweise im Jahr 2010 durch den Unfall Samuel Kochs in der Livesendung getrübt und kurz danach war „Wetten dass…?“ mit Thomas Gottschalk Geschichte. Koch verunglückte bei einer riskanten Wette schwer und sitzt seither im Rollstuhl. In zahlreichen Interviews sagte Gottschalk damals, dass er die Show so nicht weiterführen könne. Die gute Laune, die zurecht von den Zuschauer*innen erwartet werde, könne er nach diesem Vorfall nicht mehr versprühen. Thomas Gottschalk kehrte am 3. Dezember 2011 einer der erfolgreichsten Sendungen im deutschen TV den Rücken.

Einmal Showmaster, immer Showmaster


Doch komplett von der Bildschirmfläche zu verschwinden, war scheinbar keine Option. Mit seinem langjährigen Kollegen und Freund Günther Jauch war er beispielsweise im Privatfernsehen in diversen Shows zu sehen. Thomas Gottschalk ist ein Multitalent und hat etwas geschafft, was wenige Medienpersönlichkeiten von sich behaupten können: Es fällt schwer, Thomas Gottschalk nicht zu mögen.


Betrachtet man die Showmaster, die sich in die Generation Gottschalks einreihen, ist dies durchaus eine Sonderstellung, die Tommy genießt. Der Moderator wird vielleicht nicht von allen verehrt, aber es wirkt, als sei er immun gegen Shitstorms und Hater. Das ist gerade in unserer schnelllebigen Medienwelt ein bemerkenswertes Markenzeichen.

Tommy weiß sich zu vermarkten und ist ein Vollprofi. Man kann sich darüber streiten, ob die Sendungen auf RTL, mit Günther Jauch an seiner Seite und moderiert von Barbara Schöneberger, sich einreihen in die Glanzstunden des deutschen Fernsehens. Doch muss man Gottschalk zugestehen, dass auch diese Sendungen sein Image nicht getrübt haben.

Zurück zum Anfang


Im Jahr 2020 will der sympathische 70-Jährige es nochmal wissen und kehrt zu seinen Wurzeln zurück. Beim Radiosender SWR3 ertönt seine Stimme seit ein paar Monaten im Podcast „Podschalk“, den er zusammen mit Nicola Müntefering gestaltet. Dort reden die beiden Moderatorinnen über aktuelle Geschehnisse und das, was sie bewegt. Das Gespräch zwischen den beiden schwenkt aber oft in eine ähnliche Richtung: Tommy erzählt Anekdoten aus seinem Leben. Scheinbar unermüdlich kann er zu jedem Thema eine Geschichte aus früheren Zeiten erzählen. Der Podcast zählt möglicherweise nicht zu den Dingen, die seine Karriere später einmal auszeichnen werden. Nur selten wirkt der Podcast wie ein lockeres Gespräch, meist ist er sehr einseitig. Der SWR hätte das Format auch „Gottschalk plaudert aus dem Nähkästchen“ nennen können. Das können die Hörerinnen gut und schlecht finden. Vielleicht ist es auch gewollt. Möchte man den guten alten Showmaster über das Leben philosophieren hören und legt Wert auf die Ratschläge des langsam gräulich werdenden Lockenkopfs, ist dieser Podcast sehr empfehlenswert. Im Januar 2021 startet dann zusätzlich noch eine neue Radiosendung bei SWR3, in Zusammenarbeit mit einem jungen Kollegen des Senders. Endes des Jahres ist auch eine große TV-Show mit Gottschalk geplant, in der Menschen, die im Corona-Jahr 2020 auf vieles verzichten mussten, Ereignisse wie Konzerte nachholen können.

Offensichtlich arbeitet der alte Medienmacher daran, auch die kommenden Generationen ein Stück weit zu prägen. Vielleicht wird ein Tommy die öffentliche Bühne freiwillig nie komplett verlassen.


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