“Da kommt natürlich Nostalgie auf!”

Philipp Masur hat in verschiedenen Teilen der Welt studiert und doziert: von Mainz ging es nach Macquarie (Sydney, Australien), über Hohenheim (Stuttgart) bis Cornell (Ithaca, USA). Nach langer Reise findet er sich dort wieder, wo alles begann.

Foto: Jonas Pospesch

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Was führt Sie zurück zu uns ans IfP?

Ich habe mich hier am Institut schon immer sehr wohl gefühlt. Das IfP kannte ich durch mein Studium schon recht gut. In Mainz habe ich außerdem immer gerne gelebt. Es ist ein schönes Gefühl, wieder an dem Ort zu sein, wo für mich alles begonnen hat. Da kommt natürlich Nostalgie auf.

Was hat sich seit Ihrer Zeit als Studierender verändert?

Das GFG ist natürlich neu, ich habe damals noch im SBII studiert. Ansonsten ist auf dem Campus eigentlich vieles gleich geblieben. In der Stadt hat sich dagegen schon einiges verändert – viele neue Cafés, Kneipen und Geschäfte, die schick und sehr schön sind.

Schick und Schön. Eine bewusste Anspielung?

(Lacht) Wieso nicht? Früher sind wir dort gerne hingegangen. Geht man da heute noch hin?

Es ist und bleibt ein Anziehungspunkt für Studierende. Sie haben inzwischen die Seiten gewechselt. Was ist Ihnen als Dozent besonders wichtig im Umgang mit Studierenden?

Mir geht es vor allem darum, in jedem die Motivation und die Inspiration zu wecken, sich mit gesellschaftlichen, sozialen und auch rein wissenschaftlichen Themen auseinanderzusetzen, Forschung als einen wichtigen Teil unserer Gesellschaft anzusehen, ihre Erkenntnisse kritisch zu hinterfragen, aber auch zu würdigen. Ich finde es schade, wenn Studierende einfach nur “durchkommen“ wollen. Das funktioniert jedoch nur, wenn man Lernen nicht nur als notwendiges Übel, sondern als eine besondere Chance für persönliches Wachstum wahrnimmt. Eine Atmosphäre, in der diese Erkenntnis reifen kann, möchte ich in meinen Lehrveranstaltungen schaffen.

Ein Teil Ihrer Forschung richtet sich auf die Wahrnehmung sozialer Normen im Online-Kontext. Welche soziale Norm ist Ihnen persönlich wichtig?

Toleranz und Respekt sind mir im Umgang mit anderen besonders wichtig. Jeder Mensch hat seine eigene Geschichte und man kann immer voneinander lernen.

Jetzt mal andersrum: Welche gesellschaftliche Konvention tragen Sie nicht gerne mit?

Durch meinen längeren Aufenthalt in den USA ist mir nochmal aufgefallen, wie unterschiedlich Kulturen und Länder sein können. Dort ist oft ein lockerer Umgang in alltäglichen Unterhaltungen möglich, was in Deutschland anscheinend häufig als sehr oberflächlich angesehen wird. In den USA redet man viel öfter mit Fremden, man grüßt sich auch öfter. Ich habe das Gefühl, dass die Deutschen damit manchmal Probleme haben. In Amerika hatte ich schon viele gute Gespräche an der Kasse im Supermarkt. Das versuche ich nach Deutschland mitzunehmen.

Auf welchem Gebiet sind Sie ein richtiger Nerd?

Es gab eine Zeit während meines Studiums, zu der war ich sicherlich so etwas wie ein „Fotografie-Nerd“. Das ist etwas, das mich schon lange begleitet hat und mich auch immer noch begleitet.

Was gefällt Ihnen an der Fotografie?

Im Gegensatz zur Malerei gibt es einen schnellen Weg hin zu einem fertigen Produkt. Dieser Weg ist gar nicht so leicht, wie es scheint. Man möchte als Fotograf alle Aspekte eines Bildes bestimmen, scheitert damit aber immer wieder. Ich habe mir irgendwann eine analoge Kamera gekauft, an der man alles manuell einstellen muss. Die Herausforderung bestand für mich darin, alles im richtigen Augenblick genauso einzustellen, dass der Moment eingefangen wird. Mit etwas Glück entsteht mehr als eine reine Dokumentation des Augenblicks. Dann wird das Foto unter Umständen „größer“ als die abfotografierte Realität.

Was ist ihre Passion?

Musik. Sowohl als Hörer als auch als Musiker. Ich beschäftige mich gerne mit Künstlern und ihren Werken. Gerade als ich jünger war, habe ich viel Radiohead gehört – eine Band, die mich vor allem durch ihre Wandelbarkeit fasziniert hat. Was das Musizieren angeht: ich habe früher in einer Band Schlagzeug gespielt, spiele heute aber hauptsächlich Gitarre – nicht professionell, mehr für mich.

Mit wem würden Sie gerne mal ein Bier trinken gehen?

Ich habe kürzlich den Film „20.000 Days on Earth“ gesehen, eine Dokumentation über Nick Cave. Ich weiß nicht mal, ob wir uns verstehen würden, aber ihn zu treffen und mit ihm zu plaudern, wäre sicherlich sehr spannend. Und ich glaube er wäre auch der richtige Typ, um im Schick und Schön ein paar Bierchen zu trinken (lacht).

Herr Masur, vielen Dank für das nette Interview!


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