Veja Sneaker: Mit Transparenz und Nachhaltigkeit in den Mainstream

Emma Watson hat sie schon getragen. Reese Witherspoon und Heidi Klum auch. Sogar Meghan Markle wurde in ihnen gesichtet: Veja Sneaker. Aus Biobaumwolle und Naturkautschuk hergestellt, überzeugen die Schuhe nicht nur Prominente, sondern auch Kund*innen aus der ganzen Welt. Was ist das Erfolgsrezept des Unternehmens und was steckt hinter den Sneakern mit dem abgeschnittenem V?

Foto: Elena Steiger Salvador

Gegründet wurde Veja von den zwei französischen Investmentbankern Sébastien Kopp und François-Ghislain Morillion. Im Jahr 2003 reisten die beiden im Auftrag eines französischen Modeunternehmens, für das sie damals tätig waren, nach China und besuchten eine Textilfabrik. Es brauchte genau diesen Besuch, um den beiden die erschreckende Kehrseite der zunehmenden Globalisierung vor Augen zu führen.

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„Wir fanden uns in einem 25 Quadratmeter großen Raum wieder, in dem 32 chinesische Arbeiter zusammen schliefen, gestapelt in 5-stufigen Etagenbetten. Und in der Mitte des Raumes nur ein Loch, das sowohl als Dusche als auch als Toilette diente. An diesem Tag wurde uns klar, dass die Globalisierung schiefgelaufen war.“

– Website Veja

Faire Löhne statt Werbung

Die menschenunwürdigen Lebensbedingungen der Fabrikarbeiter*innen brachten Kopp und Morillion dazu, neu anfangen zu wollen. Sie wollten es anders machen und ein Produkt entwickeln, das nicht auf Kosten Anderer hergestellt wird. Für sie seien Sneaker schon immer Teil ihres Alltags gewesen und zusätzlich fungiere der Sneaker als Symbol ihrer Generation. Des Weiteren sind Sneaker das Produkt, das die meiste Werbung auf sich konzentriert. Veja zufolge werden bei kommerziellen Sneakern etwa 70 Prozent des Kaufpreises in die Werbung und Kommunikation des Produktes investiert. Veja hingegen verzichtet auf eigene Werbung und kann somit mehr Geld für die Löhne der Arbeiter*innen und die Beschaffung der Materialien zur Verfügung stellen. Ihr Plan war und ist es noch immer, die Herstellung der Sneaker sowohl fair in der Produktion, als auch nachhaltig in der sozialen und ökologischen Umwelt zu gestalten.

Als Produktionsstandort wählten Kopp und Morillion Brasilien, das zum Einen viele Rohstoffe bietet und zum Anderen faire Löhne garantieren soll. Die Firma steht in direktem Kontakt zu den Fabriken und Baumwoll- sowie Kautschukbauern in Brasilien und Peru. Zusammen mit der Organisation „Associação de Desenvolvimento Educacional e Cultural de Tauá“ fördert Veja seit 2004 die nachhaltige und ökologische Landwirtschaft vor Ort.

Darüber hinaus suchen sie kontinuierlich nach neuen Upcycling Ideen und nachhaltigen Alternativen zu den herkömmlichen Materialien. So produziert das Unternehmen beispielsweise Sneaker, die zur Hälfte aus recycelten Plastikflaschen bestehen oder stellt vegane Lederalternativen aus Mais her. Allein sind sie damit nicht- Firmen wie „Allbirds“ setzen ebenfalls auf natürliche Materialien und verwenden bei der Produktion ihrer Sneaker Eukalyptus, Wolle und Zuckerrohr. Eine Studie von „Infinium Global Research“ nimmt an, dass der vegane Textilmarkt in den nächsten fünf Jahren eine Wachstumsrate von 49,9 % haben wird.

Foto: Elena Steiger Salvador
FOTO: ELENA STEIGER SALVADOR

“Uns war von Anfang an klar, dass wir nicht das fairste Produkt der Welt machen können, ohne an das Aussehen zu denken. Deswegen stecken wir genauso viel Zeit ins Design wie in den Produktionsprozess.”

– SÉBASTIAN KOPP, ISPO MÜNCHEN 2020

Transparente Kommunikationsstrategie

Für Veja ist eine der wichtigsten Komponenten ihres Erfolges die hohe Transparenz von Fehlern und Grenzen ihrer Produkte. Veja versucht nicht zu verstecken, dass der Ursprung des Metalls ihrer Schnürlöcher nicht zu 100 Prozent nachzuverfolgen ist oder dass die natürlichen Färbemittel für Leder zu teuer wurden und nicht den Qualitätsstandards entsprachen, sodass sie wieder zu konventionellen Färbemitteln griffen. All diese und noch mehr ihrer sogenannten Grenzen listet das Unternehmen in einer Rubrik seiner Website offen auf und verspricht, immer weiter an Lösungen zu arbeiten. Auf diese Weise kommt es seinem Ziel, noch nachhaltiger und transparenter zu werden, ein Stück näher und gibt gleichzeitig zu, nicht perfekt zu sein.

Seit seiner Gründung hat das Unternehmen nach eigenen Angaben, 3,5 Millionen Schuhpaare verkauft und zählt heute 193 Mitarbeiter*innen. Mehr als 390 Tonnen Biobaumwolle und mehr als 450 Tonnen Naturkautschuk hat es erworben und weiterverarbeitet. Veja hat den Sneaker durchaus ein Stück weit neu erfunden und einen Schuh entwickelt, den man mit gutem Gewissen tragen kann. Die Sneaker gibt es in den verschiedensten Farben und Formen zu kaufen. Vejas neueste Addition sind Laufschuhe, die zu 57% aus biobasierten beziehungsweise recycelten Materialien bestehen.

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Natürlich könnte Veja heute locker zehnmal größer sein. Aber wir schauen einfach anders auf den Kapitalismus. Wachstum funktioniert nicht unbegrenzt, und nur Geldverdienen macht auf Dauer nicht glücklich.“

Sébastian Kopp, ISPO München 2020

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Der Name Veja, gesprochen „wehscha“, hat seinen Ursprung übrigens aus dem Portugiesischen und bedeutet übersetzt so viel wie „Schau!“. Kopp und Morillion wünschen sich, dass alle Menschen hinter die Fassade ihrer Sneaker schauen und erkennen, welchen Preis sie wirklich für ihre Schuhe bezahlen. Sie versprechen nicht die Welt oder die Menschheit zu verändern, sondern fangen da an, wo sie es können – bei sich selbst, ihrem Unternehmen und dem Ziel, ihre Produkte in Zukunft noch nachhaltiger zu machen.


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