ZWISCHEN HATESPEECH UND SPÄTZLE

Hatespeech ist schrecklich. Trotzdem befasst sich Liane Reiners täglich äußerst intensiv mit Hasskommentaren auf Facebook. Im Interview verrät sie dem Publizissimus, wie sie damit umgeht.

Foto: Institut für Publizistik

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Liane, du hast im Frühjahr nach langer Zeit an der Uni Hohenheim in Stuttgart zu uns nach Mainz gefunden. Mal ganz gerade heraus, welches Schwabenklischee ist wirklich wahr?

Auf jeden Fall die Kehrwoche. Wenn man so davon hört, belächelt man das ein bisschen. Wenn man dann aber dort wohnt, merkt man, was für eine ernste Angelegenheit, das Ganze doch ist. Wer nicht kehrt, bekommt Ärger von den übrigen Bewohnern des Hauses. Und dass die Schwaben Spätzle und Maultaschen lieben, ist natürlich auch Fakt!

Was hat dich denn hier nach Mainz an das IfP geführt?

Das war tatsächlich die Ausschreibung für das große DFG-Projekt, das hier in Mainz durchgeführt wird. Ich habe meine Masterarbeit über Hatespeech geschrieben, das Projekt behandelt dasselbe Thema. Der Betreuer meiner Masterarbeit hat mir dann die Stellenausschreibung zugeschickt und ich dachte: „Das passt perfekt!“

Worum geht es genau bei diesem Projekt?

Das Ganze ist eine deutsch-französische Kooperation. Wir werden von der Deutschen Forschungsgesellschaft (DFG – die Red.) und dem französischen Pendant dazu, dem ANR unterstützt. Gemeinsam wollen wir Hatespeech genau untersuchen. Ziel ist vor allem einen kulturellen Vergleich zwischen dem Hatespeech in Deutschland und dem in Frankreich ziehen zu können. Wir arbeiten dabei nicht nur international, sondern sogar auch interdisziplinär. In Deutschland und in Frankreich sind Computerlinguisten beteiligt. Wir möchten zusammen einen großen Vergleichsdatensatz für andere Kommunikationswissenschaftler schaffen. Außerdem hoffen die Informatiker in unserem Team am Ende eine Software entwickeln zu können, die Hatespeech automatisiert erkennen und einordnen kann. Das könnte vielleicht einzelnen Anwendern helfen, bestimmte Inhalte auszublenden zu lassen. Ob wir das in drei Jahren schaffen ist noch in Frage, aber umso mehr Wissen wir auf dem Weg sammeln, umso besser.

Neben der Forschung hast du ja auch schon in Journalismus und auch im Marketing gearbeitet. Weißt du schon in welche Richtung es für dich in Zukunft gehen soll?

Zu Beginn des Studiums war ich mir noch ziemlich, dass ich Journalistin werden möchte. Ein Praktikum im Marketing fand ich aber auch sehr spannend. Während des empirischen Masters in Hohenheim, habe ich dann Gefallen an der Forschung gefunden. Ich finde es einfach super spannend Neues herauszufinden. In dem Aspekt ist die Forschung gar nicht so weit weg vom Journalismus. Statt Interviewpartner zu befragen, findet man Antworten eben in den Daten. Ich glaube ich möchte erstmal in der Forschung bleiben. Mal gucken, ob ich das nach drei Jahren Hatespeech noch genauso sehe (lacht).

Du hast ja deine Masterarbeit auch schon über Hatespeech geschrieben. Ist das Thema mit der Zeit nicht schrecklich belastend?

Ja! Ja ist es. Gerade während der Masterarbeit fand ich es manchmal echt furchtbar. Da ist es wirklich wichtig, dass man immer mal eine Pause macht. Besonders beim Codieren musste ich immer wieder Abstand nehmen. Wobei man auch sagen muss, dass so richtig krasse Kommentare ja schon gelöscht sind. Ich kann mir vorstellen, dass es für die Leute, die die gemeldeten Beiträge bearbeiten, noch schlimmer ist. Gleichzeitig muss man es aber auch in Relation sehen. Das ist ja nur eine sehr kleine Minderheit, die tatsächlich Hasskommentare schreibt.

Was eignet sich in solchen Situationen für dich dann am besten zum Abschalten?

Also zum einen hilft es natürlich immer sich mit Freunden zu treffen. Einfach um mal einen anderen Input zu bekommen. Ansonsten mache ich gerne Yoga, gehe wandern oder lasse mich ganz klassisch von einer Serie oder einem Podcast berieseln. Immer gerne irgendwas mit Medienbezug. Also wahrscheinlich so die typischen Publi-Hobbys (lacht).

Dazu passt, dass du deine Bachelorarbeit über Serienstreamiang geschrieben hast. Hast du eine Lieblingsserie?

Das ist schwierig, ich habe da eher so Phasen. Man darfs ja kaum aussprechen, aber ich gerade erst angefangen Stranger Things zu schauen. Das finde ich gerade sehr cool. Aber auf eine Lieblingsserie festlegen, das kann ich nicht.

Vielen Dank für das nette Gespräch!


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