Cash für Nudes

Die Plattform “Onlyfans” ähnelt den gängigen sozialen Plattformen, spricht junge Leute an und verspricht Aufmerksamkeit, Zuspruch, Spaß und Selbstbestimmung über die eigenen Inhalte. Unterschiede und diese sind nicht zu verschweigen, gibt es aber – Onlyfans ist freizügig, in Teilen pornografisch und birgt Gefahren. Nutzer*innen und Creator*innen argumentieren mit der Funktion selbst zu bestimmen, wer wie viel zu sehen bekommt und schnell und einfach mit den eigenen Bildern Geld verdienen zu können. Die Seite ist umstritten und lässt sich kontrovers diskutieren. Ein differenzierter Blick auf ein soziales Netzwerk, der sich lohnt.

Credits: Pixabay/ Claudio_Scott

Wir alle sind in den letzten Monaten immer mal wieder über den neuen Begriff “Onlyfans” gestolpert. Wenn man das Konzept herunterbricht, ist Onlyfans eine soziale Plattform mit erotischen bis hin zu Hardcore-Porn Inhalten, für die man monatlich bezahlen muss. 

Im erweiterten Sinne jedoch, hat man es hier mit einer Social Media Site zu tun. Es ist den Nutzenden möglich, ähnlich zu Instagram, öffentlich oder privat Beiträge zu posten, anderen Accounts zu folgen und Nachrichten zu versenden. Der maßgebliche Unterschied zu Instagram, Twitter & Co. ist, dass man Profile mit einer Paywall, also einer kostenpflichtigen Schranke, erstellen kann und die Altersbeschränkung bei FSK 18 liegt. Dadurch ist es auch möglich, Inhalte hochzuladen, die beispielsweise auf Instagram gesperrt würden. Sonst ähnelt die Handhabung den üblichen Plattformen sehr. Das Londoner Portal existiert bereits seit 2016 und hat zwar einige Konkurrenten, wie bspw. die Fanabo-Plattform Patreon oder Just for Fans, ist aber eindeutiger Marktführer.

In der Digitalbranche gilt das Unternehmen als einer der großen Aufsteiger der vergangenen Monate. In Folge der Pandemie hat sich die Zahl der Nutzenden von sieben auf über 85 Millionen gesteigert und auch die Zahl der Inhaltsproduzentenstieg auf über eine Million an. Infolgedessen erreichte der Jahresumsatz 2020 über zwei Milliarden US-Dollar.

Die monatlichen Abos, die die Nutzenden zahlen können, um spezielle Inhalte freizuschalten, beginnen bei ungefähr vier bis fünf Euro. Das Durchschnitts-Abo jedoch liegt bei ca. 15 €. Im Gegenzug erhält man sozusagen den individuellen Blick durchs Schlüsselloch. 

Zugegeben, es ist kein vollkommen neues Geschäftsmodell für heiße Bilder und erotische Videos zu bezahlen. Onlyfans aber hat zwei sehr erfolgreiche, bereits existierende Geschäftsmodelle kombiniert: Die Freizügigkeit von Twitter mit dem Bezahlmodell von Patreon.

Die meisten „Creators“ sind „ganz normale Leute“, aber auch immer mehr „Promi-Zuwachs“ lässt sich auf der Plattform verzeichnen. Hierdurch lebt die Plattform wohl auch ein Stück weit von der Neugierde, Seiten von Stars zu sehen, die der allgemeinen Öffentlichkeit vorenthalten bleiben. Damit kann man dem eigenen Idol mittels einer einfachen Abo-Gebühr noch näherkommen und beinahe intim werden. 

Verlust der Privatsphäre oder Zugewinn falscher Wahrnehmung?

Aber eine Plattform in dem Kaliber bringt nicht nur positive Aspekte mit sich. Onlyfans versucht zwar durch bestimmte Technologien Screenshots und Mitschnitte zu verhindern, gänzlich vermeiden lässt es sich jedoch nicht, dass Inhalte auch auf anderen Internetseiten auftauchen. 

Und darin liegt ein hohes Risiko: Gerade junge Nutzende laufen durch lukrative Verdienstmöglichkeiten Gefahr, sich für Geld zu entblößen. Es war nie leichter durch die Veröffentlichung prägnanter Bilder Geld zu verdienen und sich so gleichzeitig die Chancen der Zukunft zu verbauen. Es ist deswegen nur logisch, dass es wichtiger denn je ist, sich der Konsequenzen über im Internet veröffentlichten Inhalte bewusst zu sein. Im Zuge der Regulierung der Pornoindustrie wollen deutsche Medienwächter schärfere Regeln für die Plattform durchsetzen. 

Zwar ist es illegal die sensiblen Bilder zu einem späteren Zeitpunkt irgendwo anders ins Netz zu stellen, aber gleichzeitig ist dies, wenn geschehen, kaum rückgängig zu machen. Das Bundesministerium für Justiz und Verbraucherschutz (BMJV) äußert sich dazu wie folgt: „Sind die Bilder erst mal im Netz, sind sie dort nur schwer wieder herauszubekommen.“

Gleichzeitig ist das Risiko nie höher gewesen, durch Soziale Medien in der Wahrnehmung des eigenen Körperbildes in eine ungesunde Richtung gedrängt zu werden. Zu sehen, dass Nutzende mehr Geld verdienen, kann schnell das Bild festigen, dass dies mit der jeweiligen äußeren Erscheinung zusammenhängt. Zusätzlich setzt man sich zwangsläufig Wut, Hass und Gefahr aus, wenn man sich zur Veröffentlichung von persönlichem Bildmaterial entscheidet. Nicht jeder Charakter kann hier drüber stehen und die positive Kritik aus dem Cyber-Troll-Müll herausfiltern. 

Eine weitere Gefahr ist, dass darstellende Nutzer*innen auch schnell den Spaß an der Seite verlieren können und lediglich der finanzielle Aspekt zählt. Die Gefahr, hierbei in eine Art der finanziellen Abhängigkeit zu fallen, ist hoch.

Billiger Porno Abklatsch oder doch moderne Selbstbestimmung? 

Auch wenn andere Entrepreneur*innen wie Fitness Stars, Life Coaches oder Beauty Beratende auf der Plattform zu finden sind, dominieren die Inhalte erotischer Natur. Die Objektifizierung, insbesondere von Frauen, sorgt für viel Kritik. Sei es zum einen, dass man keinen Einfluss darauf habe, wer die Inhalte kauft und konsumiert. Oder zum anderen, dass so der Weg der pornografischen Selbstdarstellung, wie kritische Zungen meinen, frei gemacht wird. Also, dass die Konsequenzen, die man trägt, wenn man den eigenen Körper „verkauft“, verharmlost werden.  Junge Frauen sind auf der Seite als Entrepreneurinnen gemeldet und können sich, durch Fetisch- und Bedürfnisbefriedigung ihrer Abonnent*innen, Geldgeschenke zukommen lassen. Die Nutzerin Lunaticminx äußert sich im Deutschland Funk Nova wie folgt zu dem Diskurs: 

Sie arbeite zwar noch nebenbei als Handwerkerin, müsste dies aus finanzieller Hinsicht jedoch nicht mehr machen. Mittels Onlyfans sei es definitiv möglich, ihren eigenen Lebensunterhalt zu finanzieren. Sie habe die unterschiedlichsten Abonnent*innen, vom jüngeren Mann bis zur älteren Frau, von Pärchen bis hin zu Singles. Bisher habe Sie mit schmierigen „Klischee“-Typen keine Erfahrungen machen müssen. 

Für sie ist das Netz eine Art Schutz, auszuleben und zu machen, was sie möchte, ohne in reale Gefahrensituationen zu gelangen. Ihr Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen sei stark gestiegen und sie fühle sich viel wohler im eigenen Körper. 

Schwimmende Grenzen der Grauzonen

Onlyfans, eine Plattform, die die Gemüter spaltet. Es gibt kaum vergleichbares, in dem soviel Potenzial aber auch Gefahr steckt. Sexarbeit ist in vielen Ländern im weitesten Sinne immer noch illegal und gerade Randgruppen können viele Sexualitäten immer noch nicht straffrei ausleben. Die Plattform bietet hier für „Creators“, sowie Nutzer*innen, einen sicheren Raum für den Konsum und die Möglichkeit, Geld zu verdienen. Des Weiteren bietet man vielen Nutzenden, seien es Frauen oder Mitgliedern der queeren Gruppe die Möglichkeit, frei über den eigenen Körper zu entscheiden und zu verfügen. Trotzdem liegen auch große Gefahren darin, dass gerade unsichere Menschen sich unter Druck gesetzt fühlen könnten, wenn Wünsche oder Aufforderungen der Fans zu intensiv werden. Oder die allgegenwärtige Gefahr sozialer Medien, dass das Körperbild sehr verallgemeinert wird und bestimmte Körperformen im finanziellen Sinne mehr wert sind als andere.  

Klar ist, jeder kann über den eigenen Körper frei entscheiden. Nur was mit den Inhalten dann passiert, liegt im Internet nicht immer in der eigenen Macht. Es bleibt wohl spannend, was aus dieser Seite noch auf uns zu kommt. 


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