Free Britney: Die Geschichte einer luxuriösen Freiheitsstrafe

Über 13 Jahre lang stand die Popikone Britney Spears unter der Vormundschaft ihres Vaters Jamie Spears. Mit dem Satz “Die Vormundschaft über die Person und das Vermögen von Britney Spears ist hiermit beendet” gab die Richterin Brenda Penny der Sängerin ihr eigenes Leben zurück. Aber wie konnte „eine der umstrittensten und erfolgreichsten Sängerinnen des 21. Jahrhunderts“ (Rollingstone) so tief fallen?

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Foto: Flickr/Jen

Britney zählte zu den größten Popstars weltweit. Angefangen im Disney Club „Mickey Mouse House“ bis hin zu einer erfolgreichen internationalen Karriere durch ihren Hit „… Baby One More Time“. Ihr Aufstieg in der Musikbranche war kometengleich. In einer Zeit der Boybands, in der sich Solosängerinnen nicht verkauften, war sie auf der Überholspur. Sie verkörperte eine Mischung aus dem süßen unschuldigen Vorstadtmädchen und einem Sexsymbol. Weshalb sie mit ansteigender Berühmtheit in den christlich-konservativen USA immer mehr aneckte. Immer lauter wurden die Schreie, die sie für ihr Sein kritisierten – ihr Privatleben verschwand.

Zusammenbruch

Ihre Musik war Anfang der 2000er der Soundtrack einer ganzen Generation. Doch genau jene Generation konnte ihren Abstieg ebenso international und medienwirksam beobachten. Die Fotograf*innen verfolgten sie auf Schritt und Tritt, jedes Wort wurde auf die Goldwaage gelegt und jede Tat im ganzen Land diskutiert. Als Britney in aller Öffentlichkeit das alles durchmachen musste, hatte noch niemand über ihre psychische Gesundheit gesprochen und wie sich der zunehmende Druck auf sie auswirken könnte – es gab mit ihrem Leid einfach zu viel Geld zu verdienen.

Durch das Rasieren ihres Kopfes im Jahre 2007, nach dem Scheitern ihrer Ehe mit Kevin Federline und dem eintägigen Entzugsprogramm, wurde ihr das Sorgerecht für ihre zwei Kinder entzogen und die Sängerin schien in ein bodenloses Loch zu fallen. Es folgten weitere Zwangseinweisungen und nachdem festgestellt wurde, dass sie für sich selbst sowie für andere eine Gefahr darstelle, wurde sie per Eilantrag am 1. Februar 2008 von ihren Eltern entmündigt. Ihr Vater wurde als ihr persönlicher Betreuer eingesetzt und verwaltete seitdem zusammen mit einem Anwalt das multimillionenschwere Vermögen.

Das Leben danach

Nach ihrem Zusammenbruch rappelte sich die Ikone jedoch schnell wieder auf, veröffentlichte ein Album, spielte dreimal die Woche Shows in Las Vegas und war augenscheinlich auf dem Weg zur Besserung. Für die beiden Vormunde war dies ein lukratives Geschäftsmodell. Britney spielte zeitweise über eine Millionen Dollar die Woche ein und laut gerichtlicher Anordnung erhielt jeder Vormund 1,5% ihres Einkommens. Britney war sehr ambitioniert und arbeitete viel, sie war also wieder völlig da. An ihrer gesetzlichen Situation jedoch änderte sich nichts. Erst als der Co-Vormund gerichtlich eine Erhöhung des eigenen Gehalts verlangt, versucht Britney auszubrechen: Sie sagt Shows ab und lässt sich dann letztendlich freiwillig in eine Psychiatrie einweisen. Gegenüber der New York-Times geben anonyme Quellen jener Klinik zu, dass die Sängerin bereits viel länger als öffentlich bekannt in der Klinik sei und dass von freiem Willen keine Spur zu finden sei. Daraufhin kommt der Skandal ins Rollen und der Co-Vormund kündigt aufgrund des öffentlichen Drucks. Die Fans finden sich zum „Free Britney“- Movement zusammen und werden immer lauter, da ihnen zufolge über das Instagram-Profil der Sängerin Beiträge mit verschlüsselten Botschaften gepostet werden, die sie als Hilfe-Rufe deuten.

Enough is enough

Seit Ende Juni dieses Jahres kämpft die Ikone also wieder um die eigene Freiheit; die Freiheit, eine vollmündige Person zu sein. Sie erklärte vor Gericht, dass die Vormundschaft für sie ein Trauma war. Sie durfte nicht einmal die eigene Frisur oder die Farbe ihrer Fingernägel bestimmen. Sie habe gegen ihren Willen Medikamente nehmen müssen und wurde zur Verhütung gezwungen. Sie konnte ihrem Wunsch nach weiteren Kindern also nicht nachgehen und war ebenso nicht dazu befugt, zu heiraten. Am 12. November kann sie dann tatsächlich mit den Worten „best day ever“ in ein völlig neues Leben starten. Nach 13 Jahren Vormundschaft beginnt sie nun als 39-jährige Frau ein neues, glücklicheres Kapitel in ihrem Leben.


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