Willkommen im Donnerstagsmordclub!

Auf Mörderjagd mit vier rüstigen Rentner*innen? Klingt im ersten Moment etwas schräg, doch macht ziemlich viel Spaß: Eine Buchrezension zum Kriminalroman „Der Donnerstagsmordclub“ von Richard Osman

Von Leonie Berger

Über eine Million verkaufte Exemplare allein in Großbritannien, 21 Wochen lang auf Platz eins der britischen Bestseller-Liste und die Auszeichnung „Author of the Year“: Mit dem Buch „Der Donnerstagsmordclub“ scheint der Debütautor Richard Osman alles richtig gemacht zu haben. Die Idee zu dem Krimi kam ihm eigenen Angaben zufolge, als er Verwandte in einem noblen Seniorenheim besuchte und keinen Handyempfang hatte.

Der namensgebende Donnerstagsmordclub besteht aus vier Senior*innen, die man einfach sofort ins Herz schließen muss: Zum einen ist da die frühere Krankenschwester Joyce, die mit ihrer fürsorglichen Art und köstlichem Gebäck jede*n auf ihre Seite zieht und dadurch so manches Geheimnis lüften kann. Zum anderen gibt es Elizabeth, ehemalige Geheim-Agentin und die heimliche Chefin des Clubs. Auch nach ihrer Pensionierung hat sie überall ihre Kontakte, die den einen oder anderen entscheidenden Hinweis liefern. Ron ist ein Ex-Gewerkschaftsführer, eigentlich immer auf Krawall gebürstet und nimmt jede sich bietende Gelegenheit für eine Auseinandersetzung dankbar an. Der frühere Psychiater Ibrahim komplettiert das Quartett. Er ist der Ruhepol des Clubs und geht die Dinge, im Gegensatz zu seinem guten Freund Ron, eher bedächtig und mit kühlem Kopf an.

Jeden Donnerstag treffen sich die vier Senior*innen, um alte ungelöste Kriminalfälle aufzuklären. Als dann vor den Toren ihres Wohnorts, der luxuriösen Seniorenresidenz „Coopers Chase“, ein Mord passiert, ist das erst der Anfang einiger verdächtiger Taten, die sich rund um das Seniorenheim ereignen. Da steht es natürlich außer Frage, dass sich Joyce, Elizabeth, Ron und Ibrahim in die Ermittlungen stürzen, um die Tat eigenständig aufzuklären. Dabei wickeln sie die örtliche Polizei mehr als einmal um den Finger und sind den Ermittler*innen bei der Aufklärung der Verbrechen das eine oder andere Mal einen Schritt voraus.

Zugegeben, man benötigt einen Moment, um in die Geschichte reinzukommen. Gerade zu Beginn laufen viele Erzählstränge parallel und es werden einige Personen vorgestellt. Da dauert es etwas, bis man die Charaktere und ihre Geschichten auseinanderhalten kann. Doch nach den ersten Seiten konnte ich das Buch nicht mehr aus der Hand legen. Der Krimi besticht durch Charme, Witz, Einfühlungsvermögen und die liebenswerten, etwas schrulligen Charaktere, sodass man am liebsten selbst Teil des Clubs werden und gemeinsam mit Joyce, Elizabeth, Ron und Ibrahim ermitteln möchte. Dabei gerät die Auflösung des Mordfalls fast schon etwas in den Hintergrund.

Insgesamt ist das Buch ein Wohlfühlkrimi, das die Leser*innen durch den feinen britischen Humor mehr als einmal zum Schmunzeln bringt. Ohne zu viel zu verraten: Auch der zweite Band „Der Mann, der zweimal starb“ steht dem Debüt in nichts nach und der dritte Band ist derzeit in Planung. Ich kann es kaum erwarten und sage: Bis nächsten Donnerstag!


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